Dieses Event vom 19. bis 22. Juni fand auf Einladung des Schweinfurter Otto-Schäfer-Museums statt. Das Wetter war himmlisch und es ging zum Glück ein leichter Wind über das Gelände. Trotz der Pfingstferien und des Feiertages hatten wir über 100 Besucher. Die meisten sind über Stunden bei uns geblieben und haben nicht nur die Ausstellungen besucht, sondern auch die Vorführungen verfolgt und bestaunt.
Friedrich Müller mit seiner Wet-Plate-Fotografie und fahrbaren Dunkelkammer war voll beschäftigt und es sind ein paar Besucher mit strahlenden Gesichtern und einer super Portrait-Platte nach Hause gegangen. Torsten Grüne hatte auch Wet-Plate, aber in kleineren Formaten; entwickelt in seiner aufgebauten Dunkelkammer. Auch das Einfärben eines Öldruckes wurde durch ihn vorgeführt und erklärt. Torsten Grüne hatte genügend Matrizen dabei. Seine Sammelmappe mit den Gummidrucken wurde ebenfalls bewundert.
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Friedrich Saller hatte eine Loch-Balgenkamera dabei (ein Bausatz), mit der Polaroid Bilder belichtet wurden und er hat die Portraits durchgezogen. Der winterliche Wald als Hintergrund hinterließ bei den Porträtisten einen kühlenden Eindruck. In seinem Eskimozelt konnten wir die Jugend begeistern mit Fotogrammen auf Solarpapier; vor allem, wenn sie das selbst praktizierten. Meine Workshops zum Thema Großformatfotografie und Lochkamerafotografie wurden immer angenommen und ich durfte erzählen und vorführen. Abgerundet wurde das Programm durch den Infostand des SKF-Fotokreises, dem Büchertisch und dem Fotoflohmarkt. Es konnte viel verkauft bzw. getauscht werden. Eine Japanerin, studierte Fotografin, hat sich die Kindermann Entwicklerdosen aus Edelstahl mitgenommen. Selbst eine Dia-Überblendanlage mit zwei Leitz-Projektoren fand einen Käufer!
In der Radierwerkstatt Schweinfurt, mit Dieter Kraft und Udo Hobert ging es allerdings etwas ruhiger zu. Dort hatten wir an den beiden Aktionstagen lediglich 9 Besucher. Die Beiden zeigten Polymergravüre, das Einfärben und den Druck der Platte auf Büttenpapier und hatten ihre Bildmappen ausgelegt. Herr Soldin und Herr Bucher vom Museum haben sich die Tage geteilt + der Damen an der Kasse.
Ein Besucher war am Freitag erneut da und brachte die Agfa-Box seines Vaters mit. „Geht die noch?“ „Gibt es da noch Film?“ Es gibt und wir haben seine Kamera geladen und erklärt. Er ist Oldtimerfan, hat einen Club gegründet und hat selbst einige alte Fahrzeuge. Jetzt dürfen wir gerne mit dem SKF-Fotokreis seine Fahrzeuge fotografieren.
Die uns vom Lochkameraspezialist Günter Derleth aus Fürth gespendeten 100 Stück Pappschachtel-Lochkameras haben alle ihre „Belichter“ gefunden und nun warten wir auf den Rücklauf der Kameras. Günter Derleth wird uns das Fotopapier daraus entwickeln und dann werden die Bilder gescannt und auf Postkartengröße gedruckt. Alle Bilder, die etwas geworden sind, werden dann in einer neuen Ausstellung im „Otto-Schäfer-Museum“ gezeigt; die Fotografen informiert. Danach werden die Bilder an die Besitzer gehen.
Man soll es ja nicht glauben, aber eine Dame kam aus Hamburg zu unserer Veranstaltung per Zug angereist. Sie hatte das aus dem Internet erfahren und Ihr Interesse lag vor allem bei den Polymergravüren. Sie war sowas von happy über unsere Veranstaltung und als ich den Damen des SKF-Fotokreises ein Glas Sekt anbot, da kam sie und fragte, wen sie bitte bestechen müsste, um auch ein Glas zu bekommen. Aus Oldenburg waren Gäste angereist (auch per Zug). Vor allem die Polyamergravüre fanden Interesse und die dort ausgestellte Kunst hat die Beiden fasziniert.
Die Ausstellungen im „Otto-Schäfer-Museum“ waren super aufgebaut und in das Museumsgeschehen eingegliedert. Es hängt ja derzeit die Ausstellung von Stefanie Hofer – Schöne Aussichten (Radierung und Aquatinta). Es hat sich unsere vorhandene Beleuchtung wieder mal bezahlt gemacht. Bildmäßig hatten sich 7 Fotografen der „S/W-AG edel&klassisch“ mit 31 Bildern beteiligt; vom SKF-Fotokreis wurden 34 Bilder von 17 Mitgliedern gezeigt. Im Kassenraum hatten wir 12 große Kameras auf Stativen aufgebaut und in einer Glasvitrine ein paar alte Kameras und Schnittmodelle. Es wurden Führungen durch die Ausstellungen angeboten und durchgeführt.
Ja, aber damit nicht genug. Wir hatten das Vergnügen, mächtig Foto-Geschichte einzuatmen! Für mich persönlich war das das Highlight der Tage! Wahnsinn! Es war nämlich der Urenkel des deutschen Fotografen Ottomar Anschütz bei uns. Er hatte in seinem Rucksack die Holzkamera 9x12 seines Urgroßvaters dabei, mit der man aus der Hand fotografieren kann, da er damals den Schlitzverschluss erfand und sich 1888 patentieren ließ und dann das erste Pressefoto machte. Herr Anschütz hatte die original Holzkassetten dabei und fragte uns, ob wir Negativmaterial hätten, damit wir gemeinsam mit der Kamera mal Aufnahmen machen könnten. Wir konnten, denn wir hatten alte Glas-Trockenplatten HP3 in 9x12 und auch alten Planfilm Delta100 in 9x12 dabei. Die wurden in die Holzkassetten eingelegt (Einen Wechselsack war vorhanden), dann wurde fotografiert. Die Glasplatten waren aus Altersgründen kaputt, aber der Planfilm funktionierte noch. Herr Anschütz war völlig aus dem Häuschen, ist fotografisch ein Laie und war froh, dass wir ihm weiterhelfen konnten; hatte aber auch Originalbilder (Albumin) dabei, die sein Urgroßvater gemacht hat: Grundsteinlegung des Reichstages in Berlin, Otto Lilienthal mit seinem Gleitflieger beim Start, Kaiser Wilhelm der I. auf seinem Pferd und die Einweihung des Ehrenwalddenkmals bei Rüdesheim. Er hat zu Hause eine ganze Sammlung von seinem Urgroßvater. Zum Glück hat er Söhne und Enkelkinder, die das Erbe fortführen. Ende Juli werden wir die Holzkassetten, Negative und das Bild an Herrn Anschütz übergeben. Ein schöner Abschluss.
Ach ja, es könnte sein, dass wir zwei neue Mitglieder zum SKF-Fotokreis bekommen!
Text: Rüdiger Horeis, SKF-Fotokreis und S/W-AG edel&klassisch
Bilder: Rüdiger Horeis und Klaus-Peter Gnass